Vater Baum
Eigentlich wollten wir schon heute, ohne das kleine Schlösschen von Monserrate, in der Siera de Sindra und den ringsherum andächtig angelegten Botanischen Garten zu besuchen, weiter in den Norden Portugals reisen.
Doch wie alles ohne Zufall im lichten Spiel des Lebens so zufällig wirkt, liege ich jetzt hier auf der Wiese am weichen Hang, der vom Schloss aus hinab in ein Tal von blendender Begierde triftet.
Um mich herum schwimmt ein Kinderlachen durch mein Herz und meine Seele.
Schon nach wenigen Augenblicken des Wanderns und Umherstreifens in diesem so frei und wild angelegten Park,
stand er auf einmal vor mir. Stand er da, seid Uhr Väter Zeiten und reichte mir seine lederne Hand.
Weder kenne ich die Art des Baumes, noch ist er der Einzige ehrwürdige und mächtige Baum in diesem Garten.
Und doch wirkt er wie der Vater und Patron dieser alten und jungen Kinder dieser Welt.
Wohl mag er sich schon viele hundert Jahre hier an den Himmel lehnen, und doch wirkt er frisch und zart wie die Knospen einer soeben erblühten Lilie. Kaum bist du in seine Nähe getreten, umschlingt dich sein langes und freies Atmen. Die Wärme seiner schweren Ruhe nimmt dich auf in ihren Wandel ohne Anfang und ohne Ende.
Und du fühlst, vom Feuer der Liebe brennend, welch gleichmäßiges, weises Rufen ausgeht von den Wurzeln des Vater Baumes und dich führt auf des Allmächtigen schöne Wege.
Um dich herum erwacht das Leben in neuen Freuden Bögen und steigt auf in die klirrende Luft, geschwängert vom
Dank des Augenblickes. Du schickst nur ein Blinzeln deines Herzens hinüber zu deinem neuen, wieder erkannten Freund und gleitest hinein in die Wandlung des noch neuen Tages. Du bist nicht der erste und wirst auch nicht der letzte Freund und Bruder sein, und doch bist du so einmalig und schön wie ich es gerne währe.