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Bom Jesus

Schon auf der Hinreise in den an der Nordgrenze zu Spanien liegenden Naturparks Geres, begegnete uns beim verlassen des kleinen, modernen Städtchens Braga, ein hier in Europa so fremdartiger Gruß.
Bom-Jesus, hieß es da auf einer Hinweistafel zu einem nahe gelegenen Wallfahrtsort, und auch wir grüßten voller Freude diese unbekannte Welt.
Nun, heute verließen wir den noch jungen, auf mich wenig Eindruck hinterlassenen Park, mit seinen zum Teil doch schönen Seen und abwechselnd karger und üppiger Vegetation, um noch einmal an die Küste zu fahren und dort die letzten Tage in Sonnen und Urlaubsstimmung zu verbringen, bevor wir endgültig dieses Land verlassen.
Und so packten wir die Gelegenheit beim Schopf und machten einen kleinen Abstecher hinauf in die Berge, zu dem
Wallfahrtsort, mit seiner großen Kirche und den um sie herum angelegten Kapellen.
Die sich hinunter zogen bis zu den untersten Stufen, des vom Hauptportal aus, hinab führenden, alten, verschachtelten Aufgangs.    
In ihnen zeigt sich der Opfergang Jesus-Christus in Lebensgroßen, geschnitzten Figuren, die einen zum stehenbleiben
und kurzer, inniger Betrachtung anhielten.
Die Krönung fanden diese einzelnen, plastischen Darstellungen, durch den Augenblick des Todes am Kreutz, in der Kirche, hoch über den Altar, an dem sich die Klagenden und Liebenden, die Soldaten und der Erlöser am Kreutz, zu einem eindrucksvollem Bildnis vereinigten.
Und natürlich hatte man nicht vergessen den dazu gehörigen Opferstock darunter auf zu stellen.
Da heute Sontag war und die Nachwehen des gestrigen Papst Besuches, Papa, wie ihn die Portugiesen liebevoll nennen, noch aus zu schwingen schienen, war der Andrang der Besucher entsprechend groß.
Und so wurde mir auch heute wieder mal klar, als wir beim Wandern um die alt ehrwürdige Kirche und dem begehen der sich hinab stürzenden Treppe, durch ein freundliches hinten nach lächeln, bestaunt wurden, das ein männliches Wesen mit Vollbart und lang über den Rücken hängendem Zopf, als Zeitungsauschnitt oder Fernsehstück, doch nie für ganz Wirklich gehalten wird.
Und so nahm ich dann platz, in Gottes Zuhause, auf einer der bräunlich, gelb einfach gehaltenen Holzbänke und kehrte in mich, so wie jedes dieser ruhigen und andächtigen Häuser mich zu einer kurzen Meditation einlädt, und ließ mich hinein gleiten in das so eben Erlebte.                 
Ich will hier versuchen festzuhalten was sich da in meinem Kopf zusammenbraute, aneinander rieb und zur Entladung gebracht, mich wieder entließ in den gewohnten Lauf meines Lebens.
Alle diese vielen Menschen haben sich, so wie auch bei uns, einer besonderen Schale bedienend, auf den Weg gemacht, ihren Glauben und somit auch sich selbst einen bescheidenen Dienst zu erweisen. So sind sie ausgezogen
mit Frau und Kinder, Eltern und Geschwister, als Einzelne oder doch  meist in kleinen oder größeren Gruppen, um hier und heute der Heiligen Dreifaltigkeit, in Gestalt des Vaters und der Mutter Maria und Jesus Christus dem Erlöser, Gottes Sohn, führ ihre Gnade und ihr Wohlwollen gegenüber jedem Einzelnen zu danken.
Und so ziehen sie umher, von Städte zu Städte, viele heiter und fröhlich, manche tief in sich gekehrt, betend, andächtigen Schrittes, mit wehmütig getränten Augen, Worte vor sich hin zelebrierend und doch fragt sich keiner was wohl dieser Augenblick mit ihm selbst zu tun hat. Da, so scheint mir, diese Frage zu Gotteslästerung führen könnte und einen hinunter zöge in den Schlund der Hölle. Und doch schwebt der Heilige Geist über jedem von uns.    
Wie oft verspüre ich in solchen Augenblicken das häufig nur aus Vorsicht geglaubt wird. Aus Zweifel heraus, all Dieses könnte sich wirklich erfüllen und wenn der Himmel sich dann auftut am Jüngsten Tag, Strafe über einen kommen mag, und dies ist doch tunlichst zu vermeiden.
So wie die Angst vor jeglicher Art von Bestrafung schon immer den Großteil der Welt regierte, war mir das Geschäft
mit Hoffnung schon immer suspekt, da es auch immer das Versagen in sich birgt. 
Und ich schaute nicht unberührt den betenden, still in sich hinein summenden Menschen hinterher und denke so ganz neben bei, dies könnte auch in der Türkei oder in Indien sein. Wie ähnelt doch dies einander, nur durch den durch Mentalität geprägten Glauben getrennt.