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Feuerzeichen

Und eines Tages trat das Feuer in Gestalt eines Menschen von den Gipfeln herab. In das kleine Dorf am Fuße der Berge. Von dort Oben, dem Dach der Welt, hat es sich aufgemacht, über steile Abhänge und Geröllfelder, hinab zu den Menschen. Um erneut zu sehen, was aus all der Liebe und dem Guten geworden ist. Wie es sich gemehrt und tief in den Lebewesen diese Zeit verwurzelt hat. Wie es Früchte trägt und aufgeblüht, alles zum Rechten zu führen.
So trat es ein, dieses Feuer das alles verbrennt was dem Werden entgegensteht.
Es war dunkel in den Häusern und nur wenige Menschen waren noch in den Gassen. Sie eilten auf dem Nachhauseweg, zu Freunden oder einfach nur die Sterne genießend, und der Mond stand in seiner vollen Blüte und die Nacht ward hell genug, dem Anderen sein Leben im Gesichte anzusehen.
So betrat er die Dorfschänke, setzte sich bescheiden an einen Tisch in der hinteren Ecke, legte Hut und Mantel auf einen Stuhl und bestellte vom Wirt sich einen Tee und auch ein wenig Gebäck dazu.
So schweigend da sitzend, lauschte er den Gesprächen, die in der Gaststube im Gange waren. Doch was er da vernehmen musste, mal geräuschvoll, mal schüchtern zu ihm herüberdrang, war alles andere als seine geliebte Welt,
in die er gekommen war, um sich an allem zu erfreuen.
Da blinkten Neid und Habgier, Hass und Gewalt in den Worten die er in der Gaststube gewahr wurde. So mancher  Einwurf schien gar vom Teufel persönlich zu stammen.
„Wo haben diese Menschen nur all das Gefühl, all die Phantasie gelassen, die ihnen aus dem Paradies mit auf den Weg gegeben wurden. Wo ist diese Hoffnung auf Erfüllung, die jeder Mensch tief verwurzelt in sich trägt“.
So begannen seine Augen immer heller zu leuchten. Feuer entfachte in seinen Pupillen und noch eh der erste Gast es bemerkte, stand er ganz in lodernden Flammen.
Schon nach kurzer Zeit war es wieder dunkel im Raum geworden. Der Fremde saß nach wie vor an seinem Tisch in der Ecke und die erstaunten Gesichter der Zechenden starrten noch eine Weile, mit ihren leblosen Augen, auf jene Stelle. Bis auch sie wieder Platz genommen und alles seinen geregelten Lauf nahm.
Der seltsame Gast zahlte, erhob sich von seinem Platz und verschwand genauso unbemerkt wie er vor einer Stunde gekommen war.
Das Leben im Dorf ging seinen gewohnten Lauf. Nichts hatte sich verändert, oder sagen wir, fast nichts.
Denn an diesem Abend war auch ein junger Mann in der Dorfschänke zugegen. Noch lange hatte er dort auf den verlassenen Tisch in der Ecke gestarrt und erst als der Wirt die letzten Gäste aus dem Lokal wies, musste auch er seinen Platz verlassen.
So kam er Tag für Tag in das Gasthaus, wartete Stunde um Stunde, doch der seltsame Fremde wollte ihm nicht mehr begegnen. Und so fasste er eines Tages den Entschluss in die Berge zu ziehen, um diesen sonderbaren Fremdling, mit Augen aus Himmel und Feuer, zu suchen.
Nach einer mehrwöchigen Wanderschaft, die ihn tief in das Gebirge führte, fand er eine alte, verlassene Höhle, in der er sich von all den Strapazen erholte. Hier baute er sich ein Bett aus Laub und Stroh, und legte sich zur gewohnten Nachtruhe.
Als der Traum über ihn kam, war plötzlich dieser schon verschwunden geglaubte Fremdling, wieder vor seinen Augen. Und ihm schien als sprach er mit seltsamen Worten:
„Von Zeit zu Zeit da gibt es ein Zeichen. Ein Zeichen, das jeder zu sehen vermag, der bereit ist ein wenig Liebe für all
diese Lebewesen unter den Sternen zu empfinden. Doch dann gibt es wieder Zeichen, die nur ein Kind von seiner Mutter empfangen kann. Denn Mutterliebe ist etwas Einzigartiges unter diese Sonne. Auch kann ein Freund, ein wahrer Freund, dir von Mal zu Mal ein Führer sein, wenn du bereit bist, ihn in dir anzuerkennen.  Doch solltest du das Glück haben eine Frau zu lieben, mit all dem Leid und all dem Hass, so wird er dir den Blick eines Adlers verleihen, oder dich blind werden lassen wie die Fledermäuse in ihren dunklen Höhlen.
Doch manchmal erscheint ein Wesen auf dieser Welt. Zu euch gesendet von der Allmacht der Schöpfung, Besitzer aller Menschen, aller Schönheit der Dinge, voller Empfindung von der Liebe von allem was liebt. Der das Alter aller Geburten und Wiedergeburten an Jahren erreicht. Doch nur wenige sind nicht blind genug , ihn zu erkennen.
So glaube mir, nichts wird danach jemals wieder so sein, wie es vorher war“.
Als er erwachte, war er voller Glück. Noch lange Zeit hat man ihn in den Tälern gesehen. Er ward von allen herzlich gemocht, auch wenn er nicht den Ernst der Menschen besaß. 
Noch viele Jahre nach seinem Tod war er in die Herzen der Bergmenschen eingeschlossen.