Eine Peking-Ente in Afrika
Der Umzug
Einst flog ein Enten-Fräulein ganz ohne Grund
Heraus aus ihrem Krater-Schlund
Dort wohnte sie seit langer Zeit
Hatte viel Besuch, den sie war sehr gescheit
Nun wollt sie nicht mehr länger bleiben
Wollte der Mutter Erde helfen die Zeit zu vertreiben
Vom Wind und der Sonne, allen Kindern gutes erzählen
Einen fernen Kontinent zur neuen Heimat wählen
So dachte sie, fliege ich nach Norde, nach Süden, Osten oder Westen
Oder einfach drauf los, das ist wohl am besten
Und wenn nach dem großen Wasser ich Land dann seh
Dann wohne ich dort, einzige Bedingung, keinen Schnee
So begann die Reise, erst über Land, dann aufs weite Meer hinaus
Sie flog Stunde um Stunde, ohne Pause, das machte ihr gar nichts aus
Oft sah sie ein Schifflein, dort unten ihres Weges kreuzen
Dann dachte sie an zu Hause, und musste bitter seufzen
Seit Tagen und Wochen war sie nun schon geflogen
Immer geradeaus, nie vom Wege abgebogen
Nun wusste sie gar nicht mehr wo sie war
Doch das Gefühl war herrlich, einfach wunderbar
Nun spürte sie, bald wird sie das Ziel erreichen
Es wurde auch Zeit, da ihre Kräfte weichen
Das Blau des Meeres schimmerte auch schon heller
Nochmal alle Kräfte gesammelt, flog sie etwas schneller
Und dann geschah es, Land in Sicht
Mit einem Schnabel Jauchzen sie hinauf in die Wolken sticht
Und dann im Sturzflug der neuen Heimat entgegen
Wenn man ganz leise horchte, hörte man ihr Herz lein beben
Was für ein Land, voller Wälder und Seen
Hier konnte man Fliegen und Schwimmen und spazieren gehen
Und jeden Tag ein Sonnenbad genießen
Die Blumen bewundern, die Tausendfach Sprießen
Noch wusste sie nicht wie dieser Kontinent heißt
Das Eine aber war klar, das Mittags die Sonne beißt
Sie wird’s noch erfahren, dass sie nach Afrika gezogen
Ein Land ganz ohne Schnee, um die halbe Welt geflogen
Die Peking-Ente begegnet dem ersten Afrikaner
Was kommt denn da, mit schwarzer Haut und Haaren wie ein Teppich Feger
Ah ja, ich weiß schon, das ist ein Bandu Neger
Mit Schild und Speer, und großen Ringen in den Ohren
Ist er gerade richtig für dieses Land geboren
Wie leicht und leise er durch die Steppe marschiert
Er mag es am liebsten wenn jeden Tag etwas Neues passiert
So schläft er gerne im Freien und lebt ganz anders wie wir
Mit seinem langen Sperr jagt er manches wilde Tier
Auch heute scheint er auf der Jagt
Da sein Blick nur wenig über die Gräser ragt
Ich glaube ich sollte mich besser verstecken
Sonst wird er noch mich als Beute entdecken
Ganz weit entfernt, am blauen Horizont
Anscheinend eine Antilopen Familie wohnt
Diese flinken Tiere sind nicht leicht zu erlegen
Da sie in großen Sätzen davon zu springen pflegen
Jetzt hat er im hohen Gras ein Zebra erspäht
Gleich flieg ich auf, wenn das so weiter geht
Er hebt den Sperr, will zum Wurfe ansetzen
Gott sei Dank sehe ich schwarze und weise Streifen ins nahe Dickicht hetzen
Hu, hu, Herr Afrikaner, bitte nicht erschrecken
Ich muss meinen Hals noch etwas höher aus dem Grase strecken
Hier bin ich, bitte mich nicht als Beute betrachten
Ich bin ein Freund, und Freunde sollte man achten
Ich bin die Peking-Ente und komme aus China
So etwas wie mich war in diesem Lande noch nie da
Komm lasse uns für immer Freunde sein
Alles ehrlich teilen, was mein ist, ist auch dein
Er gab mir seine Hand und ich legte meinen Flügel darauf
Ab heute gibt er die Jagd nach Peking-Enten auf
Überhaupt dachte er, sollte ich mehr Gemüse und Wurzeln essen
Und das Jagen und Töten für immer vergessen
Begegnung mit Frau Krokodil
Was liegt denn da grünes am See, ihr ist die Mittagshitze zu viel
Mit tausend Zähnen im Maul, das ist sicher Frau Krokodil
Sie scheint zu schlafen und doch ist sie wach
Nur die Mittagssonne macht sie ein wenig schwach
Hallo Frau Krokodil, ich bin die Peking-Ente
Wenn ich doch nur ein kühles Plätz lein fände
Hoffentlich wird sie mich willkommen heißen
Bei dieser Hitze hat sie bestimmt keine Lust zu beißen
Ach was du Dummes, um die Mittagszeit
Sind alle Tiere am See von meiner Jagt befreit
Da lasse ich mich höchstens mal ins Wasser gleiten
Um auf den Rücken liegend alle viere von mir zu breiten
Komm doch herein, du darfst auf meinem Bauche sitzen
Aber bitte kein Wasser in die Augen spritzen
Hi, hi, das Kitzelt, die Federn auf meinem Nabel
Ja das machst du fein, kratze mich dort mit deinem Schnabel
Da waren die Flamingos und Reiher beim Mittagsbad
Ein dickes Nilpferd gerade ans Ufer trat
Im kristallklaren Wasser kamen die Fischlein geschwommen
Da war der Peking-Ente jegliche Angst genommen
Das Nilpferd trat schnaubend in das kühle Nass
Die Krokodilfrau tauchte unter und dachte, ach was
Die Ente kann sicher auch alleine baden
Ich schwimme ans Ufer und beschlamm meine Waden
Wie war die Peking-Ente zu vor noch erhitzt
Und jetzt von Oben und Unten, Hinten und Vorn bespritzt
Wie viele neue Freunde hatte sie am See gewonnen
Da dachte sie an Zuhause und es kam ein Trän lein geronnen
Später dann am Ufer erzählte sie Frau Krokodil davon
Sie seufzte ganz bitter, denn sie hatte in der Ferne einen Sohn
Bis eine dicke Krokodils Träne ihren Augen entrann
Und das Abendrot sich darin zu spiegeln begann
Die Begegnung des Löwen mit einem falschen Huhn
Es traf ein Löwe einmal ein Huhn
Und dachte sich, was soll ich tun
Schließe ich Freundschaft, ganz nach meinem Willen
Oder fress ich, dann habe ich nichts mehr zum Spielen
Das Huhn erschrak als es den Löwen sah
Was er doch für ein mächtiger König war
Renn ich fort, wird er mich fressen
Bleib ich stehen, nimmer vergessen
So gleich der Löwe seine Mähne stellte
Auf den Boden sich duckte, bevor er nach vorne schnellte
Ich glaub ich wird‘s mir langsam braten
Oder soll ich doch bis Morgen warten
Das Huhn sich weich ins Gras sich kauert
Wozu noch Eile, wenn der Tod mir lauert
In Hetze sterben, dazu habe ich keine Lust
Wenn die Zeit gekommen, ein jeder Sterben muss
Der Löwe im Sprung, bleibt in der Luft dort stehen
Was ist los, warum muss das Huhn mir in die Augen sehen
Bis jetzt ist noch ein jedes Tier vor mir davon gerannt
Habe ich alle Wesen in meine Furcht gebannt
Das Huhn das putzt sich, dabei es lacht
Mir wird nichts geschehen, hab ich mir doch gleich gedacht
Das große, starke Königstier
Mag mächtig sein und ist doch wie wir
Du Löwe, schönes, mächtiges Wesen
Komm doch herunter und lass uns vom Grasse fressen
Die grüne Säure reinigt unseren Magen
Damit wir den Kopf leichter auf unseren Schultern tragen
Der König lachte und schnurrte laut
Was ist das Huhn doch wahrlich gescheit
Wo kommst du her du fremdes Wesen
Du scheinst mir gescheit, hast viel gelesen
Denn wer ohne Furcht den langen Schnabel reibt
Damit nur leise Töne vor sich treibt
Kann nicht aus dieser lauten Gegend stammen
Hier wird gebrüllt, furcht man sich zusammen
Ich komme von weit, vom Land der gelben Leute
Sie lieben mich, den ich bin ihre Lieblingsbeute
Doch ich mag es nicht, dass man mich köstlich mundet
Und meine Soße mit reichlich Gewürzen bindet
Tausende von Kilometern ich fliegen konnte
So nennt man mich die Peking-Ente
Ich kehre in jedem Wesen wieder
Und lasse mich gerne bei dir nieder