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Baggi Bagshish

Es war einmal vor langer, langer Zeit. Da lebte in einem kleinen, fernen Dorf ein kleiner Junge. Ja, eigentlich war es gar kein richtiges Dorf, sondern nur eine Ansammlung weniger, zueinander gebauter Gehöfte.
Es war die Zeit der Dämonen, guter und böser Geister, der mächtigen Zauberer und jungen, hübscher Feen und soweit uns heute noch bekannt ist, muss der lustige Bub Baggi zu jener Zeit etwa in seinem vierten Lebensjahr gewesen sein. Auch wissen wir nichts Genaues darüber ob sich dies alles vor hunderten von Jahren zugetragen hatte, oder erst irgendwann in der nahen oder fernen Zukunft geschehen wird.
Baggi wurde als eines von sechs Geschwistern geboren, und er war der Jüngste in der Familie. Seine Geschwister waren doch schon ein Stück älter als er und so liebten ihn zwar alle sehr, doch war er auch ein wenig eine Plage.
Wenn man unterwegs war in den aufblühenden Frühlingstagen oder an tief verschneiten, hellen Winterstunden, so musste man ständig stehen bleiben um nach ihm zu rufen, ihn herbei Winken oder gar nach ihm schauen gehen. Da er mit seinen kurzen Beinen kaum nach kam und ständig vom Weg ablief, hinter Hasen her oder auffliegenden Vögeln zulaufend.    
Und so kam es , das er oft alleine gelassen, mit den Ziegen und Tauben spielte, lange bei der Kuh Emalie im Grass lag, oder mit dem stattlich gewachsenen Schäferhund Hatta in den umliegenden Wiesen und Wäldern unterwegs war.
Hatta war ein guter Hund und mochte den kleinen Baggi sehr. Gerne ließ er ihn für eine Weile aufsitzen, da er ja noch leicht war, und das Fortkommen für Beide rascher ging. Aber auch das Hinabrollen auf manch weicher Bergwiese, führte sie in ihre eigene verzauberte Welt. Und auch Baggi war nie böse darum, wenn sich seine Brüder und Schwestern und auch des Nachbarn Kinder nur wenig mit ihm befassten. Da er, um ehrlich zu sein, das Zusammensein mit all den vielen Tieren auf den frischen, sauberen Höfen und den angrenzenden Ländereien, ihnen vorzog. Denn er sprach die Sprache der Tiere. Was Keiner je bemerkte. Nie hatte er sein kleines Geheimnis, weder seiner Familie noch seinen Freunden jemals mitgeteilt. Bis auf eine Ausnahme, wie wir später noch erfahren werden. Da er sich diese seltene Gabe und ich sage nicht einzigartige, da es auch in anderen Ländern und zu anderen Zeiten solche begnadeten Menschen gegeben hatte, so manches Mal zu Nutzen machte. Indem er so tat als hätte er seinen vierbeinigen, schwarz-bräunlichen Freund, oder die Tauben ein wenig dressiert. Sie, von Mal zu Mal eine kleine Aufführung zeigten. Natürlich nur mit Hattas Zustimmung. Und selbstverständlich mit einem Keks oder einigen Sonnenblumen Körnern für die im Dachboden lebenden Tauben, als Belohnung. So nannten ihn alle Kinder und bald auch die Erwachsenen Baggi Bagshish. Woher die Menschen dort in dieser weltabgeschiedenen Einsiedelei dieses Indische Wort für ein lustiges Spiel, oder wie die Leute hierzulande meinen, dunkles Geschäft, kannten, ist uns auch nach längerem Forschen verborgen geblieben.      
Und so erwachte Baggi eines schönen Morgens aus einem tiefen, unbewussten Traum. Die Sonne zog weich von der blumengeschmückten Fensterbank, über den wachsglänzenden Holzboden, hin zu den blauen, halbverschlossenen Augen und den wirr aufstehenden, braunen Locken des kleinen Jungen. Verstört und von einer Vorahnung getrieben, schlüpfte er rasch in seine etwas zu kurz geratene, rot geflickte Hose, und eilte hinunter in den großen, lehmgestampften Hof, der in Mitten des schwer gemauerten Gehöftes lag. Hin zu der aus Astholz gebauten, kleinen Hütte seines Gefährten Hatta. Er wollte eiligst nach ihm schauen, was wohl sei, da er nicht wie sonst alle Tage, gleich nach dem Erwachen an Tür und Bett erschien, um noch einige Minuten mit ihm in den weichen Federn zu spielen.   
Und da lag er, der geliebte Kamerad und heitere Weggefährte. Schwer atmend, den kräftigen Brustkorb rhythmisch auf und niederstoßend, die Zunge weit aus dem Maul hängend, winselte er ihm bittend entgegen.
Ja, was war denn nur geschehen. Was konnte den nur über Nacht passiert sein, das seine ganze Liebe so jämmerlich daniederlag. Weinend und laut rufend legte er sich über den scheinbar sterbenden Hund. Und als endlich die Eltern und Geschwister herbeigeeilt waren, lag Haata, des Bellens unfähig, in seinen letzten Zügen.
Schon lange war er auf dem Hof. Kurz nach der Geburt des zweiten Kindes hatte man ihn vom Nachbarhof als Geschenk erhalten. Und nun sind all die vielen Hundejahre vergangen und das altersschwache Herz war des Lebens müde. So starb er nach einem langen, erfüllten Hundeleben an der Seite seiner Freunde und seines liebgewonnenen Baggis, ohne sich vor dem Tod zu fürchten. Wie hatte er doch oft zu Baggi gesprochen.
„Wer weiß, ob mir noch einmal ein solch herrliches Leben begegnen wird. Auch wenn ihr Menschen glaubt, dass wir Tiere für euch geschaffen sind“.   
Doch was verstand der kleine Baggi Bagshish schon von diesen großen weisen Worten eines aus Erfahrung und Vertrauen sprechenden Hundes. Er lag daneben und weinte bis kein Wasser, keine Träne mehr aus seinen Augen quellen wollte. Dann hob man ihn auf und trug ihn hinein in die gute Stube. Bettete ihn sanft auf das große Sofa und sprach ihm Worte des Trostes und der Sanftheit zu. Bis vom Weinen ermüdet er in einen warmen Schlaf versank.
Kaum war er am nächsten Morgen aus einem unruhigen doch befreienden Schlaf erwacht, überkam ihn viel zu rasch die ach so schmerzliche Erinnerung des allzu gerne ausgelöschten gestrigen Tages. Und doch, trotz des ganzen Mutes dessen er sich zu erzwingen versuchte, standen wenig später wieder die feinen salzigen Bächlein auf seinen frischen, roten Lausbuben Backen. Leise weinend warf er sich zurück in die nach Hatta riechenden Bettfedern und auch der stärkste Kinderwille mochte die Schmerzen nicht lindern. Viele Tage vergingen in denen mit großer Sorge der kleine Baggi von seiner Mutter getröstet wurde
Der Vater, vom frühen noch frischen Vorsommermorgen bis spät in den angenehm lauwarmen Nachmittag hinein, auf den soeben neu aufblühenden Getreidefeldern und Gemüseäckern arbeitend, konnte bei seiner Heimkehr so keine rechte Freude an seinem jüngsten Sohn finden. Auch wurde der, von der nahen Stadt wöchentlich vorbei schauende Landarzt wegen Baggis befinden konsultiert. Doch konnte auch er nur auf das Abwarten einiger Tage und den Versuch des noch liebevolleren Umhegens verweisen. Da sich solche Dinge in den kleinen Kinderherzen schon von ganz alleine wieder regeln.
Wie schnell war die Sonne in den letzten Wochen auf und nieder gegangen, das reißende Leid tiefer in ihn hineingedrungen. Nach außen schien es ihm Tag für Tag besser zu gehen. Und wenn man ihn auch für ruhiger und lebensunlustig fand, so würde sich dies von selbst wieder geben. Wenn im Spiel mit seinen Kameraden oder den vielen Tieren die Erinnerung an den guten Hatta langsam, aber doch beständig, in die Vergangenheit entschwand. Oft hatte er sich noch mit so manchem Freund Hattas über dessen liebenswürdiges Wesen unterhalten. Doch mochte, trotz des gelegentlichen Versinkens in so manch schönes Spiel das Leid nicht geringer, der Schmerz in seinem Herzen nicht weniger werden.
Und so geschah es, dass eines Tages ihm ein Rabe begegnete. Wohl hat er diesen seltenen Gast in der Gegend des Öfteren schon gesehen. Von Mal zu Mal ein paar Worte mit ihm gewechselt, da er, so wusste Baggi, ein alter Freund Hattas war. Doch mochte der Rabe nicht wie sonst nur auf der Durchreise sein. Da er Tag für Tag aufs Neue in dem nahen Kleinen Gehölz aus Kiefern und Tannen zu sehen war. Wieder einmal bei seinem so gar nicht leidenschaftlichem Spiel, das ihn und den Nachbarsjungen Seppl bis nahe an das Gehölz geführt hatte, überkam ihn plötzlich wieder die in ihm lebende Erinnerung an seinen alten Freund. Und schon war das Bild des treuen Kameraden wieder da. Das Raufen mit ihm, das Umfassen seines Körpers, und das Gras und die harzigen Tannenzapfen rochen nach dem Fell des guten Hattas. Unbeherrscht schossen die Tränen in Baggis große Augen und sich ins Gras sinken lassend, wusste sein Freund so gar nichts mit ihm anzufangen. Noch beim erstaunten Fragen des Seppels, was den geschehen sei, tauchte auf einem Ast über dem weinenden Baggi der seltene Gast, der schwarze Rabe auf. Schaute auf die beiden Buben hinunter, schlug ein Paarmal mit den kräftigen Flügeln und ließ sich dann endgültig nieder.                
„Na, was ist denn so Trauriges passiert. Ach ja, ich weiß schon. Der gute Hatta hat vor kurzem diese Welt verlassen“.
Aufhorchend und des Weinens stockend, schaute Baggi nach oben, woher diese sanften und trösteten Worte über Hatta wohl kamen. „Auch mich hat diese Nachricht ergriffen. Doch weit mehr hat es mich mitgenommen als ich hörte, dass der Freund und Spielgefährte des guten Hattas so gar nicht mehr lebensfroh werden wollte. Das der Spaß am Spielen und das Wandern in den Träumen ihm zum Leid geworden ist. Und da hab ich mir gesagt, du musst eiligst fliegen und schauen ob sich da helfen lässt. Nun sag schon was den ist mit deinem nimmer endenden Kummer“.
Seppl war erstaunt über das ständige Krächzen des Raben und das gefesselte Zuhören seines Freundes.
„Weist du, seit Hatta tot ist und nimmer mehr mit mir durch die Felder und Wiesen jagen wird, so hab auch ich keine rechte Freude mehr am Spielen. Er war immer voller Einfälle für lustige Sachen und kannte nichts von diesem Pflichten gebunden sein der Brüder und Eltern. Ach, ich möchte so werden wie er. Doch woher soll ich all das Lernen, da mein guter Hund tot ist und für ewig gegangen. Am liebsten wäre ich auch tot und müsste nimmer mehr an all das Denken“. 
„Schau, dort im nahen Wald, keine Tagesreise von hier entfernt, da lebt in einer kleinen Lichtung eine wunderschöne Fee. Wir nennen sie Nanna. Gehe zu ihr hin und erzähle ihr von deinem Kummer. Sie wird all deine vielen Fragen zu beantworten wissen. Damit du endlich wieder Freude am Leben gewinnst“.
Sich verabschiedend und lauthals schreiend erhob sich der gute Bote von seinem Ast und verschwand bald in der Ferne mit kräftigen Flügelschlägen, der blutrot untergehenden Sonne entgegen Fliegend.
Bei all diesem Zauber war es Abend geworden. Und so machten sich die beiden Buben stumm auf den Weg, um vor der herein brechenden Dämmerung Zuhause zu sein. Seppl wagte nicht zu fragen, doch konnte er sich noch nach viele Jahre an dieses Erlebnis erinnern und wieder frisch in seinem Gedächtnis wach gerufen verstand er erst da, was damals am Gehölz mit dem wundersamen Raben vor sich gegangen war.         
Für den kommenden Samstag war eine Fahrt in das nahegelegene Städtchen an gesagt. Und in der Vorfreude seiner Geschwister und dem geschäftigen Tun seiner Eltern, bemerkte niemand das Baggi, der ansonsten so gerne in das kleine, saubere Städtchen fuhr, mit seinen steingepflasterten Gassen, manch lecker einladenden Schaufenstern und dem mit all seiner Blüten und Farbenpracht monatlich stattfindenden Markt, dass er dieses Mal so ganz ohne Aufregung und dem gewöhnlichen Entgegenfiebern, sich heimlich auf das Zuhause bleiben vorbereitete. Um an diesem Tag unbemerkt dort in den nahen Wald zu eilen, und trotz eines einmalig ausgesprochenen Verbotes, alleine dorthin zu gehen. Um die Lichtung , das Zuhause der guten Fee Naana aufzusuchen. Um endlich seinem Kummer, wenn auch nicht Heilung doch zu mindestens Linderung zu verschaffen.
So rückte der Tag des Handelns heran. Früh am Morgen, die letzten durch die halbhohe Frucht und über die saftigen Weiden ziehenden Nebel lösten sich geschmeidig in den zierlich, anmutig durchbrechenden Sonnenstrahlen auf und strebten hinauf in das endlose Blau des rufenden Tages.
Als seine Mutter, von seinem Fernbleiben in der erwachenden Küche, beunruhigt, hinauf eilte in Baggis Stube, fand sie ihn wohlauf, doch ein wenig über Bauchschmerzen klagend und unwillig mit in das Getümmel der Stadt zu fahren. Ohne viele Worte ließen sich Vater und Mutter Überreden ihn zuhause zu lassen. Da er ja auch ansonsten manche Tage alleine unterwegs war. Und nachdem der Nachbar gebeten wurde doch einmal nach dem Buben zu schauen, man sei ja gegen spät nachmittags wieder zurück, fuhr der Rest der Familie, ohne sich Sorgen zu machen, vergnügt und fröhlich dem lustigen Treiben der so seltenen Stadt entgegen.  
Kaum war das Haus leer und auch das letzte Reden aus den Stuben verstummt, hüpfte der kleine Baggi, zum ersten Mal seit langer Zeit wieder sichtlich vergnügt, aus seinem massiven Kinderbettchen. Zog rasch Hose und Hemd über. Schaute noch schnell in die Küche. Steckte sich dort ein paar getrocknete Pflaumen in seine Hosentaschen, trank noch ein Glas frische Milch, das die Geister der Nacht vertrieb und verließ dann ein wenig aufgeregt vor dem kommenden Abenteuer, aber durch und durch aufblühend, das elterlich Haus.
Ohne sich durch die vielen Wunder der Natur ablenken zu lassen, marschierte er, manch schönen Bewohner der Umgegend zuwinkend, auf den nicht allzu weit entfernten großen Wald zu. An einem vorüberfließenden, spritzig frischen Bächlein ließ er sich kurz nieder, um ein wenig zu trinken, die aufweckende Kühle an seinen Wangen zu spüren und die kleinen ihn tragenden Füße ein Weilchen in dem von vielen lustigen Fischen bewohnten Wasser schaukeln zu lassen.           
Die große Turmglocke der nahen Stadt schlug noch nicht zur Mittagsstunde, schon mitten im Wald, machte sich Baggi, einem kleinen Weg folgend, keine Gedanken über den einzuschlagenden Weg. Es würde ihn schon dort hinziehen  wo er Freunde und Hilfe erhoffte. Und nach einer Weile des fröhlichen Wanderns durch den halb lichten, kühlen Wald, tauchte plötzlich vor ihm eine Sonnenschaum durchwachsene Lichtung auf. Dies musste sie sein. So zauberhaft blendend im Licht der schräg herein ziehenden Dunststrahlen, breitete sie sich vor ihm frisch und immer Grün aus. Dass es eine Wohltat war, die Augen in diesem Anblick gesunden zu spüren.
Wenige Schritte eingetreten, in diese abgeschiedene Welt, sah er das aus Holz und Steinen Erbaute, reich verzierte Häuslein. Das mit seinen lustigen roten Fensterläden und den sprühenden Blumenkästen, dem davor angelegten kleinen Garten, gar ein rechtes Zuhause für eine junge, hübsche Fee war. Und da sah er sie auch schon. Leicht gebückt in ihrem bunten verzauberten Kleid, schaute sie nach dem Wachsen der mannigfaltigen Blumenpracht und dem Werden des jungen Gemüses.
Ja, das musste sie sein. Und laut rufend , “Nanna, Nanna“, kam er gelaufen und fiel ihr weinend in den tröstenden Schoß.          
„Na, der kleine Baggi Bagshish. Hast du endlich zu mir gefunden. Nichts anderes wird mehr geredet, draußen bei den Tieren in den Gehöften und um den Wald herum. Als von dem kleinen Baggi und seinem nimmer endenden Weltenschmerz. Ja, ein klein wenig kann ich dich schon verstehen. Wenn man so einen Freund besaß. Der selbst über die Ebene hinaus, bis hinein in den großen Wald Freundschaft gefunden hatte. Der auch der Fee Nanna mit so manchem guten Rat zur Seite stand“.   
„Du kanntest Hatta. Hatta war hier gewesen“, rief Baggi, in der Schürze ihres Schoßes vergraben, aufschauend.
„Dann musst du ja wissen, dass man einen solchen Freund nie, nie wieder im Leben findet“.
„Ja, da hast du schon recht. Aber weißt du, eine jede Freundschaft ist etwas Einmaliges und wunderschönes. Wenn zwei Wesen sich ganz ohne Worte verstehen. Und ist man getrennt vom Anderen, so glaubt man sich seiner anderen Hälfte beraubt. Wenn man Diese dann verliert tut es hundertfach weh. Weißt du, ich glaube , eigentlich kann ein jedes Wesen, ein jeder Mensch dem Anderen ein Freund sein. Wenn sie nicht alle so wenig Zeit hätten und ihr Herz nicht so voll währe mit tausenderlei Dingen. Komm lasse uns ein paar Blumen pflücken und den bunten Strauß hineintragen in die gute Stube. Dort will ich dir bei einem Glass Honigmilch mehr von diesen Dingen erzählen“.       
Rasch waren Baggis Tränen bei den vielen schönen Worten Nannas getrocknet. Sie war eine gute Fee und man spürte etwas Leichtes und warmes ausgehen von ihrem strahlenden, anmutigen Antlitz. An Nannan Hand durch den Garten streifend, ließ Baggi sich schnell von ihrem Zauber verführen. Schon hatte er seinen Kummer vergessen. Zeigte Interesse für manch nie gesehene Blüte oder seltenes Kraut und als ein großer, bundbemalter Strauß gesammelt war, gingen Beide hinein in die Hexenküche. In der es so gar nicht nach Zauber und Dämonen roch. Die eher einer fein geschmückten Sonntagsstube zuhause bei seiner Mutter glich. Sie setzten sich an den aus Holz reichlich geschnitzten und jetzt mit einem wunderschönen Strauß Blumen, geschmückten Tisch.      
Und so saß nun der kleine Baggi an dem viel zu großen Tisch. Beide Arme bis unter die Achseln auf die hölzerne Platte gelehnt. Setzte er das Kinn ein wenig auf und schaute hinein in die soeben neu geborene, verträumte Welt. Dort in die Mitte des Tisches, in eine braun glasierte Vase und war verzaubert von dem Stecknadel Spiel der Natur, dass da so winzig in jedem Haar der Stängel und in jedem Ärmchen der Blütenkreise als kleines Zuhause seiner Augen erwuchs. Mit seinen kleinen Fingern das von Nanna gebrachte Honigsüße Glas Milch umfassend, unwissend, ist es uns verborgen geblieben, ob es die Milch war oder der so fremdartig duftende Strauß Blumen, der Baggi tiefer und tiefer in seine Gedanken fallen ließ, bis er in einem Schlaf ähnlichen Zustand in das Reich der Seelen zu entschwinden begann.
Und er flog. Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er das berauschende Gefühl selbst als eine körperlose Seele 
hinein zu fliegen in dieses winzige Reich, aus der all die vielen Entzückungen und mannigfaltigen Wandlungen des Lebens entspringen. Je mehr er sich von dieser, uns bekannten Welt entfernte, umso weniger schien er zu wissen von diesen so eifrig schaffenden Dingen des Erwachsen seins. Immer leichter trieb er dahin, gelöst vom Ballast des Kummers und der Traurigkeit. Aber auch sich entfernend von Heiterkeit und Freude, war es ein Rausch in dem er desto berauschter immer klarer wurde. Immer gläserner, einem rasch wachsenden Luftkristall gleichend. In dem sich all die Strahlen des Schicksals und der Zeit brachen und sich in jenen Winkel des Körpers ergossen. 
Wir können nur erahnen das ihm hier, in der uns verborgenen Welt, sein treuer Hund Hatta begegnete. Nicht als Körperlos einzeln wandelnde Seele. Vielleicht als Luftzug des luftleeren Sternensees oder als warmes, funkelndes Korn, des vom Spreu getrennten Weizens. Sie berührten sich ohne ein festes, zärtliches Ineinander und erkannten  sich, ohne Augen und Vergleich im ewigen Schwingen der Liebe.
Als Baggi zurück kehrte in die Welt seines Körpers und in kindlicher Durchsichtigkeit all dies Wunderbare, diesen drängenden Strauß Blumen, dieses verführerische Glas Milch, Nanna, das Häuschen und den friedlichen Garten in sich einließ, da war auf einmal sein Wunsch nach dem Ende seines erst begonnenen Lebens über ihn hinaus gezogen.
Tief sog er die ihm so frisch erscheinende Luft in seine soeben neu geborenen Lungen und auf dem Nachhauseweg                    
Rief er allen Lebewesen ein kindlich befreiendes, so herzerweichendes Lachen zu, und wünschte allen ein ewig währendes  Leben.
Nie ist er wieder der alte Junge Babbi Bagshish geworden. Freier und fröhlicher als man ihn kannte wanderte er durch die Zeit. Einfach und strahlend ging er durch die Welt.
Sollte er schon gestorben sein, so werden wir ihn vielleicht in uns wiedertreffen. Doch sollte er erst noch geboren werden, so wisset das seine Seele ein jedes Kind erreicht das kommen wird um unter uns zu leben.