Katrinchen
Katrinchen stand am Wegesrand
Und dachte sich, was der Mensch doch so alles erfand
Da zog sie aus ihr gar liebliches Gewand
Und warf es in den Straßenrand
Katrinchen, Katrinchen, wie soll das nur weiter gehen
Bestimmt hat‘s auch die Frau Nachbarin gesehen
So willst du es wohl gleich holen gehen
Und dich nicht länger im Kreise drehen
Doch Katrinchen lachte und warf die Arme in die Luft
So riecht doch Frau Mutter, welch herrlicher Maienduft
In meinem Zimmer riecht es nach Totengruft
Und den Vater nennst du einen elenden Schuft
Katrinchen, Katrinchen, dein blondes Haar sollst du waschen
Nicht von Mutters Kuchen naschen
Höre auf jeden Käfer zu erhaschen
Und stopfe die Löcher in deinen Hosentaschen
Doch Katrinchen sang und hüpfte auf einem Bein
Niemals im Leben möchte ich erwachsen sein
Sie bückte sich, hob auf einen Stein
Und warf in durch die Scheibe zur Mutter hinein
Katrinchen jauchzt als die Scheibe zerklirrte
Vor Schreck die Mutter aus der Küche irrte
Sie dachte an damals, als eine zerbrochene Scheibe das Häuschen zierte
Und das Nachlauf Spielen die Mutter so herrlich verwirrte
Katrinchen, Katrinchen, du willst wohl nie artig sein
Passt niemals auf, trittst in jede Pfütze hinein
Kannst nicht unterscheiden, was mein und dein
Sprichst, eines Tages las ich euch alle allein
Katrinchen stand am Straßenrand
In der Hand sie eine Blüte fand
Die Blüte Katrinchen mit dem Leben verband
Und die Blütenblätter waren ihr Gewand
Kartinchen zieht hinaus in die Welt
Katrinchen zog hinaus um die Welt zu sehen
Den Mond und die Nacht, die Sternlein besser zu verstehen
Wälder und Wiesen nackten Fußes zu begehen
Den Himmel nach Liebe an zu flehen
Katrinchen, Katrinchen, ob du weist was du tust
Das du stark und beständig auf dem Weg bleiben musst
Ja, im Herzen hat sie all das gewusst
Wenn auch manches noch schlummert, ganz tief und Unbewusst
Katrinchen war fröhlich und sang vor sich hin
Egal was sie reden, weil ich es bin
Für eine jede Farbe ein bunter Gewinn
So kommt mir so manches Lachen wieder neu in den Sinn
Katrinchen, Katrinchen, die Welt ist voller Gefahr
Der Mensch ist ein Tier, ein arger Babar
Bedenke doch was früher so alles geschah
Sie werden dich packen, an deinem blonden Haar
Doch Katrinchen war voller Lebensvertrauen
Bis heute hat mich noch niemand verhauen
Seht doch, wie Bund sie ihre Felder bebauen
Und winkend, lassen sie mich ihre Pracht beschauen
Katrinchen, Katrinchen, die Erde ist so unendlich groß
Komm doch wieder nach Hause in deines Mutters Schoß
Ein Kissen voller Tränen aus meinem Bettchen floss
Tag aus Tag ein, was mach ich bloß
Und Katrinchen bedachte was alles geschah
Was vom Vergangenen geblieben war
Da durchstrich ein warmes Lüftchen ihr zerzaustes Haar
Und sie fühlte ihr warmes Herz, gar wunderbar
Katrinchen zog aus um die Welt zu sehn
Denn Mutter Erde war erfüllt, voller tausend Feen
So lag Katrinchen in den Ewigkeiten Wehen
Wollte nie wieder zurück, in die Vergangenheit gehen
Katrinchen reist zu fernen Planeten
Katrinchen wollte ferne Planeten bereisen
Hatte es nicht schon in alten Büchern geheißen
Was uns die Erde und alte Sterne verheißen
Das Leben dort uns neue Wege weißen
Katrinchen, Katrinchen, komm lass das sein
Deine Hände und Füße sind noch so klein
Falle doch nicht auf die Worte böser Menschen herein
Und wohne doch wieder in deinem Zimmerlein
Katrinchen ersann, wie kann ich diese Erde verlassen
Soll ich Blumen und Bäume bei den Händen fassen
Ständig auf der Hut sein, damit wir den Abflug nicht verpassen
Das all durchqueren auf himmlischen Straßen
Katrinchen, katrinchen, ich werde es dem Vater sagen
Werde Oma und Opa nach dir befragen
Dann wirst du keinen Wiederspruch mehr wagen
Und endlich wieder uns deinen Kummer klagen
Doch Katrinchen kannte kein Leiden mehr
War nicht mehr hinter Puppen und Taschengeld her
Wann sie darüber nachsann, auch noch so sehr
Es trug sie hinfort ohne eine Gegenwehr
Katrinchen, Katrinchen, lasse uns nicht allein
Ich backe dir einen Kuchen ganz lecker und fein
Tue extra deine Lieblingsschokolade hinein
Zum letzten Male, komme jetzt endlich heim
Doch Katrinchen wusste, es gab eine andere Welt
Ohne Habgier und Neid, ohne jagen nach dem Geld
Wenn man sich nur an sein Herz lein hält
Ein jedes Verlangen durch Liebe von einem fällt
Katrinchen wollte ferne Planeten bereisen
Als Sternlein andere Sterne umkreisen
Dem Mensch durch ihr Dasein neue Wege weisen
In ihrem Herzen alle Wesen vollkommen heißen
Katrinchens Heimkehr
Katrinchen hat das ganze Weltall geschaut
Planeten und Sterne, den Kosmos aufs Neue erbaut
Die verbotensten Dinge sich wieder getraut
In Bewegung versetzt, was ewig schon gestaut
Katrinchen, Katrinchen, wie lang ist es her
Gib uns eine Nachricht, sage uns woher
Wir sorgen uns seit damals so sehr
Uns fällt das Alleinsein so unsagbar schwer
Doch Katrinchen stand draußen vor der Eltern Haus
Und schaute in die Welt der Sehnsucht hinaus
Nun machte ihr das Dasein nichts mehr aus
Die Hand durch fuhr ihre Haare, so wild und zaus
Katrinchen, Katrinchen, ich sehe dich im Fenster stehen
Wie Damals, vor Jahren wie die Sonne schön
Wenn du es bist, musst nicht mehr von uns gehen
Denn das Kind im Kinde liegt in den Geburten Wehen
Katrinchen gebar zu Katrin dann
Zu der, die aus jedem Frust neue Hoffnung gewann
Die, ohne Anfang, immer aufs Neue begann
Und ohne Ende das Leben lieben kann
Katrinchen, Katrinchen, wie blüht es um unser Haus
Jede noch so seltene Blume traut sich heraus
Igel und Maulwurf, Käfer und Maus
Gehen heute im Mondschein mit ihrer Liebsten aus
Und Katrinchen hob auf ihr Kleid vom Straßenrand
Zog es an, dieses Weltengewand
Kämmte ihr Haar, in sie eine rote Schleife es band
Und verließ den Ort, an dem sie für Sekunden stand
Katrinchen hat das ganze Weltall geschaut
Sich ein buntes Häuschen im Himmel erbaut
Kehrte zurück, als ihre Mutter ward ergraut
Und durch des Sommernacht Fenster zu den Sternen schaut